Zum Gedenken

an die Ramsauer Opfer der NS-Euthanasie

Helmut Walter Danklmaier, * 3. Mai 1933, Ramsau † Jänner 1941, Hartheim OÖ
Franz Schrempf, * 18. März 1930, Ramsau † Februar 1941, Hartheim OÖ
„Den Eltern haben’s gesagt, sie kommen in ein Heim und werden betreut und derweil haben sie alle in die Gaskammer getan.“
(Erna Wieser)

In Hartheim wurden während der Zeit des Nationalsozialismus rund 30.000 Menschen getötet.
Darunter waren auch Franz und Helmut, die 1941 in der Gaskammer ermordet wurden. Ermordet, weil sie aufgrund ihrer Behinderung als „lebensunwertes Leben“ galten.

Nach einem Erlass Adolf Hitlers im Jahr 1939 organisierten die Nationalsozialisten unter dem
Decknamen „Aktion T4“ die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.

Ziel der NS-Ideologie war es, die sogenannte „arische Rasse“ von jenen zu „säubern“, die als genetisch defekt und als finanzielle Belastung für die Gesellschaft galten. Im August 1939 wurden Ärzte und Hebammen verpflichtet, Neugeborene und Kinder mit Behinderungen zu melden. Ab Oktober desselben
Jahres begannen die Gesundheitsbehörden, Druck auf Eltern auszuüben, ihre Kinder in Pflegeheime zu geben – unter dem Vorwand einer besseren Betreuung.

Franz Schrempf

wurde mit Trisomie 21 geboren und lebte mit seinen Eltern und Geschwister bis 1940 im Weberhäusl in
Ramsau Nr. 42. Er kam zunächst in das Pius-Institut (Bruck/Mur) und dann in die Heil- und Pflegeanstalt „Am Feldhof“ bei Graz.
Am 14. Februar 1941 erfolgte seine „Verlegung“ nach Hartheim. Als Todesdatum wurde der 27. Februar 1941 in Hartheim angegeben, als Todesursache „Ruhr, Kreislaufschwäche“. Das wahre Todesdatum kann nicht mehr rekonstruiert werden. Am 30. März 1941 wurde seine Urne am evangelischen Friedhof in Ramsau beigesetzt.
Franz wurde 10 Jahre alt.

Walter Danklmaier

erkrankte im 7. Monat an einer schweren Hirnhautentzündung und überlebte mit einer
Behinderung. Seine Eltern hatten die Pension Fernblick in Ramsau und später die Brünnerhütte am
Stoderzinken gepachtet. Walter wurde im Oktober 1940 in die Evangelische Diakonieanstalt Gallneukirchen bei Linz aufgenommen.
Am 13. Jänner 1941 wurden die Kinder von dort abgeholt und offiziell nach Sonnenstein in Sachsen, als
kriegswichtige Maßnahme transferiert. In Wirklichkeit wurden die Kinder – so auch Walter – in die
Tötungsanstalt Hartheim gebracht, wo sie in der Gaskammer ermordet wurden.
Als Todesdatum wurde der 29. Januar 1941 in der Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein über Pirna an der Elbe angegeben. Die angebliche Todesursache war eine „Oberlippenfurunkel-Sepsis“.
Die Ausstellung falscher Todesurkunden diente der Verschleierung des NS-Euthanasie-Programms, da sich bereits Widerstand regte. Bemerkenswert ist der Eintrag in den Sterbematriken,
Pfarrer Karl Dinges setzte darin das Wort „starb“ in Anführungszeichen.
Die Urne von Helmut wurde am 28. Februar 1941 am evangelischen Friedhof in Ramsau beigesetzt.
Walter wurde 7 Jahre alt.

(verfasst von Markus Nebel, Mitarbeiter im Museum ZEITROAS in Ramsau am Dachstein)